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SPIELEKRITIK

 

Wissen und pokern

Mit "Anno Domini" durch die Geschichte

Wissen Sie noch, in welchem Jahr der Elefant aus der Wuppertaler Schwebebahn fiel? Oder wann die erste deutsche Ananas gezüchtet wurde? Und als die Normannen Hamburg zerstörten, da haben Sie gerade in der Schule gefehlt

Zwar gehört das Kartenspiel Anno Domini ohne Zweifel in die Gruppe der Wissensspiele. Doch Sie haben schon gute Karten, wenn Sie nur die richtige Reihenfolge der obigen Ereignisse kennen: Normannen (895), Ananas (1703), Elefant (1950).

Dann wissen Sie vermutlich auch, zwischen welche Ereignisse Sie Ihre eigene Karte "Van Gogh malt sein Stilleben mit Kartoffeln" einfügen müssen. Die Jahreszahl auf der Rückseite (1885) dürfen jedoch weder Sie noch Ihre Mitspieler ansehen. Erst wenn ein Spieler die Richtigkeit der ihm vorgelegten Folge von Ereignissen anzweifelt, werden alle Karten umgedreht und die Jahreszahlen überprüft. War die Reihenfolge richtig, muß der Spieler zur Strafe zwei Karten ziehen. War aber mindestens ein Ereignis an falscher Stelle eingeordnet, erhält der vorhergehende Spieler Strafkarten. Sieger ist, wer zuerst alle seine Karten losgeworden ist.

Lustige Begebenheiten wechseln mit skurrilen Erfindungen und auch ernsthafteren Geschehnissen. Da die Ereignisse nicht immer von weltbewegender Bedeutung sind, helfen gute Geschichtskenntnisse nur bedingt weiter. Viel mehr sind gesunder Menschenverstand und ein gutes Pokerface gefragt.

Bisher gibt es Anno Domini in fünf verschiedenen Ausgaben zu je 300 Karten: Kirche & Staat, Lifestyle, Natur, Sex & Crime, Schweiz (der Heimat von Verlag und Autor). Jede Edition kann man einzeln kaufen. Beim Spielen lassen sich die verschiedenen Wissensgebiete aber gut miteinander kombinieren.

Übrigens: Der Elefant, der 1950 zu Werbezwecken in der Wuppertaler Schwebebahn mitfuhr, zertrümmerte damals die Tür, sprang in die Wupper und überlebte mit einer Schramme am Hintern.

Anno Domini von Urs Horstettler, Verlag Fata Morgana/Abacus Spiele, für 2 10 Spieler ab Lesealter, Preis ca. 20 25 Mark

© Günter Cornett