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SPIELEKRITIK

 

Colts bleiben stecken

Versteigert wird ausnahmsweise mit Cowboyhüten

Zurückversetzt in das Colorado County des Jahres 1876. Die Spieleschachtel ziert ein friedliches Bild: Männer ohne Colts bauen Zäune und setzen Grenzsteine. Doch der Schein trügt. Bereits im ersten Spielzug entbrennt ein erbitterter Kampf um das Weideland.

Gespielt wird in vier Phasen, die jeweils mit einer Wertung enden. Zu Beginn jeder Phase belegen die Spieler gemeinsam zwölf der insgesamt 150 Parzellen mit farbigen Fähnchen. Anschließend werden in mehreren Runden Flaggenkarten aufgedeckt und zwar grundsätzlich eine weniger, als Spieler am Spiel teilnehmen. Bei der nun folgenden Versteigerung muß also zwangsläufig einer der Teilnehmer leer ausgehen. Das treibt die Preise in die Höhe.

Derjenige, der am meisten geboten hat, darf sich zuerst eine Flaggenkarte aussuchen. Er plaziert einen seiner Cowboys auf einer Parzelle. Die meisten Karten erlauben zudem, eine weitere Parzelle in einem genau definierten Abstand (z. B. Rösselsprung) in Besitz zu nehmen. Bei Spielbeginn lohnen sich vor allem die Parzellen am Spielfeldrand, bei der Wertung am Ende dagegen wird die Kontrolle der Wasserstellen besonders belohnt. Augenmaß und gutes Timing sind also gefragt.

Lange Wartezeiten gibt es nicht, das Spiel verläuft flüssig, und es geht auch spannend zu. Das tröstet uns über kleine Mängel in der Spielanleitung hinweg. Offene Regelfragen lassen sich durch Vereinbarung am Tisch klären. Dennoch wäre etwas mehr Sorgfalt angebracht gewesen.

Beinahe komisch wirkt der Versuch, dem spannenden Spiel einen betont friedlichen Charakter zu geben. Daß der historisch belegte Streit um die Parzellen nicht mit Pistolen, sondern per Versteigerung ausgetragen wird, mag ja noch als pädagogisch sinnvoll durchgehen. Aber warum müssen ausgerechnet Cowboyhüte anstelle von harten Dollars als Währung herhalten? Einige Unebenheiten eines an sich hochkarätigen Taktikspiels.

Colorado County von Reinhard Staupe, erschienen bei Schmidt Spiele für 2 4 Pers. ab 10 J., 47 Mark.

© Günter Cornett