|
Mauern und Straßen für SchildaIm Spiel "Drunter & Drüber" müssen Fehler der Schildbürger wettgemacht werden
Jedes Kind kennt die Schildbürger und ihre seltsamen Einfälle. Sie versenkten ihre Glocke im See und malten ein Kreuz an das Boot, um später die Stelle wiederzufinden. Beim Bau ihres Rathauses vergaßen sie die Fenster und versuchten dann, mit Eimern und Körben Licht in das dunkle Gebäude zu tragen. Schließlich, als sich einmal eine Katze nach Schilda verlief, vertrieben sie diesen gefährlich aussehenden "Maushund", indem sie ihre eigene Stadt anzündeten. Nach dieser Katastrophe war von den Bürgern Schildas lange Zeit nichts mehr zu hören. Erst im Jahre 1991 wurde bekannt, daß sie ihr schönes Schilda wiederaufgebaut hatten. Und sie hatten dazugelernt. Jedes öffentliche Gebäude war nun mehrfach vorhanden: fünf Feuerwachen mit großen Blasebälgen auf dem Dach, um ein neues Feuer auszublasen; fünf dreieckige Rathäuser; fünf Kirchtürme; fünf fensterlose Museen; fünf hohe Schultürme, um den Schülern die besten Aussichten zu ermöglichen; fünf schiefe Wirtshäuser, damit auch die betrunkenen Gäste immer gerade stehen können und dazwischen ganz viele Toilettenhäuschen. In ihrem Eifer vergaßen sie jedoch, die Straßen zu bauen, die Stadtmauer zu errichten und den Fluß in die Stadt zu leiten. "Nun, das schaffen wir spielend", versprach Klaus Teuber den Schildbürgern und veranstaltete ein solches "Drunter & Drüber", welches nicht nur den Schildbürgern, sondern auch der Spiel-des-Jahres-Jury so gut gefiel, daß sie sein Familienspiel 1991 mit dem begehrten Preis bedachte. Die Hauptarbeit bei der Sanierung Schildas wurde den zwei bis vier Spielern überlassen. Jeder von ihnen verfügt über eine Anzahl Plättchen, auf denen Weg-, Fluß- oder Mauerteile abgebildet sind. Jedes Plättchen kann ein bis drei Felder des Spielplans bedecken. An den Spielplanecken stehen vier Bautrupps bereit: zwei für die Stadtmauer und je einer für Fluß und Straße. Bevor das Spiel beginnt, erhält jeder Spieler eine Gebäudekarte, auf dem eine bestimmte von ihm zu schützende Gebäudeart abgebildet ist. Da jeder Spieler nur die eigene Karte kennt und es zudem mehr Gebäudearten als Spieler gibt, weiß niemand genau, welche Gebäude den Mitspielern gehören. Die Gebäude auf dem Spielplan weisen jeweils Werte von 1 bis 5 auf. Sie dürfen - im Gegensatz zu den Toilettenhäuschen - ohne weiteres überbaut werden. Natürlich versucht jeder, die Wege und Mauern von seinen eigenen Gebäuden fernzuhalten und die der Mitspieler zu überbauen. Plättchen dürfen aber nur an der Stelle angelegt werden, an der sich der dazugehörige Bautrupp befindet. Das sind bei Spielbeginn die Ecken. Nach Ablegen des Plättchens wandert der Bautrupp auf das Endfeld des gerade gelegten Plättchens, und der nächste Spieler ist am Zug. So ziehen sich Mauern, Weg und Fluß durch das Spielfeld. An manchen Stellen kreuzen sie sich, und mitunter landet ein Bautrupp in einer Sackgasse. Während Schulen, Kirchtürme, Rathäuser usw. der Bauwut der Mitspieler schutzlos ausgeliefert sind, wird das Abreißen eines Toilettenhäuschens zu einer Angelegenheit des öffentlichen Interesses. Auf dem Marktplatz stimmen alle Spieler gemeinsam darüber ab, ob das Plättchen über das Toilettenhäuschen gelegt werden darf. Jeder Spieler verfügt hierzu über insgesamt 8 Stimmkarten, von denen er bei einer Abstimmung beliebig viele vor sich ablegt. Da die Schildbürger grundsätzlich nach Lautstärke abstimmen, zählt das laute JAAA oder NEEE dreifach, das leise JA oder NE nur einfach. Mit Ausnahme der Enthaltung darf jedes Kärtchen nur ein einziges Mal verwendet werden. Da die Toilettenhäuschen als Hindernisse zu den Gebäuden fungieren, muß der Einsatz der Stimmkarten gut überlegt werden. Wer dabei sein Gebäude allzu offensichtlich schützt, läuft Gefahr, die Aufmerksamkeit seiner Mitspieler gerade auf diese Gebäudeart zu lenken. Unter Umständem ist es sinnvoller, die Mitspieler durch Überbauen eines eigenen geringwertigen Gebäudes auf eine falsche Fährte zu locken. Das Spiel ist beendet, wenn kein Plättchen mehr gelegt werden kann. Es gewinnt der Spieler, dessen noch sichtbare Gebäude zusammen die meisten Punkte aufweisen. Eine Partie Drunter & Drüber dauert selten länger als 45 Minuten. Die übersichtliche und gut verständliche Spielregel gehört im Hans-im-Glück-Verlag schon zum Standard. Schnell erklärt ist Drunter & Drüber eines der wenigen Spiele, die man gern mehrmals hintereinander spielt. Die taktischen Elemente des Streckenbaus und die Möglichkeiten, die Mitspieler an der Nase zu führen, sind durch das Thema Schildbürger ausgesprochen stimmungsvoll unter einen Hut gebracht. Die lustigen Zeichnungen des Grafikers Franz Vohwinkel haben hieran einen nicht geringen Anteil.Günter Cornett Drunter & Drüber von Klaus Teuber, Hans-im-Glück-Verlag, 2-4 Spieler ab 9 Jahre, Spieldauer: ca. 30-45 Minuten, Preis: ca. 45 Mark. +++
|