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"MÜ & mehr" für Kartenfans

Fünf sehr verschiedene Spiele aus einer kleinen Kiste / Fähigkeitzum Kombinieren ist gefragt

Kartenspiele haben derzeit Hochkonjunktur. Das einfache Grundprinzip des Kombinierens von Farben und Zahlenwerten ermöglicht eine Fülle sehr unterschiedlicher Spiele. "MÜ & mehr" ist eine Sammlung von sechs solchen Kartenspielen, die sich Doris Matthäus und Frank Nestel ausgedacht haben.

MÜ ist ein Stichspiel und besteht aus 60 Karten (fünf Farben zu je zwölf Karten), die gleichmäßig an die Spieler verteilt werden. Ziel der drei bis sechs Spieler ist es, gemeinsam mit einem oder mehreren Partnern eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. Wieviel Punkte zum Sieg benötigt werden, aber auch wer mit wem zusammenspielt und wer die Trümpfe bestimmen darf, wird bei Spielbeginn durch eine Auktion ermittelt.

Die Auktion: Nacheinander legen die Spieler jeweils eine oder mehrere ihrer Karten offen auf den Tisch. Will kein Spieler mehr Karten auslegen, wird der Spieler, der die meisten Karten ausgelegt hat, Chef, der mit den zweitmeisten Vize. Dieser erklärt eine Farbe oder eine Zahl aus den von ihm ausgelegten Karten zum Vize-Trumpf. Anschließend bestimmt der Chef auf gleiche Weise den Chef-Trumpf. Chef- und Vize-Trümpfe bilden für das folgende Spiel eine gemeinsame Trumpffarbe, innerhalb derer die Chef-Trümpfe den Vize-Trümpfen überlegen sind. Bei mehr als drei Spielern sucht sich der Chef unter seinen Mitspielern einen Partner aus. Dies darf nicht der Vize sein.

Das anschließende Stichspiel folgt bekannten Regeln. Die ausgespielte Farbe muß bedient werden. Ist dies nicht möglich, darf eine Fehlfarbe abgeworfen oder mit einem Trumpf gestochen werden. Da die anfangs ausgelegten Karten nicht wieder auf die Hand genommen werden, steht es jedem Spieler frei, ob er eine Karte aus der Hand oder eine vom Tisch spielt.

Punktwertung: In der Abrechnung zählt jede Karte in den eigenen Stichen null, ein oder zwei Punkte. Je mehr Karten der Chef während der Auktionsphase ausgelegt hat, desto mehr Punkte benötigt seine Partei zum Sieg. Gewinnt die Chefpartei, so erhalten Chef und Partner einen Bonus, dessen Höhe ebenfalls mit der Anzahl der anfangs ausgelegten Karten steigt, aber auch von der Art des gewählten Cheftrumpfes (Farbe, Zahl oder kein Trumpf) abhängt. Damit die Spieler hier nicht den Überblick verlieren, sorgt eine kleine Tabelle auf der letzten Seite des Regelheftes für den nötigen Überblick.

Bei verlorenem Spiel gibt es Minuspunkte - aber nur für den Chef, nicht für seinen Partner. Da kann es schon mal vorkommen, daß der Chef von seinem eigenen Partner reingelegt wird. Zwar verzichtet dieser dann auch auf Siegpunkte, doch gegenüber seinem Chef macht er damit Boden gut.

Es werden grundsätzlich mehrere Partien nacheinander gespielt, bis ein Spieler eine vorher vereinbarte Punktsumme erreicht. 200 Punkte dauern etwa eine Stunde.

Dank der klar formulierten und übersichtlich gestalteten Spielanleitung sind die Regeln trotz der zunächst etwas kompliziert erscheinenden Punktwertung leicht zu erlernen. Für die taktischen Finessen braucht man dann aber ein paar Runden mehr: Während man als Anfänger oft nur überlegt, wieviel Karten man auslegen muß, um Chef oder Vize zu werden, merkt man bald, daß es meist besser ist, Partner des Chefs zu sein. Dazu muß man anhand der bereits ausgelegten Karten einschätzen, welcher Spieler welchen Trumpf bevorzugen könnte, um dann selbst durch Auslegen von Karten, Stärken in Zahl oder Farbe zu signalisieren. Auch die Überlegungen, ob und wann man seinen Chef in die Punktelosigkeit entläßt und auf eigene Rechnung weiterspielt, sind vielfältiger Natur.

Einen schönen Kontrast zu dem zum Teil recht hinterhältigen Charakter dieses Spieles bilden die gelungenen Zeichnungen von Doris Matthäus, deren künstlerisches Talent auch andere Verlage gern in Anspruch nehmen. Schachtel, Spielregel und jede einzelne der 60 Karten hat sie mit Drachen, Einhörnern, Igeln, Panthern oder Vögeln illustriert. Außerdem befinden sich noch 24 farbige Holzchips in der Schachtel, die für eines der anderen fünf Spiele aus "MÜ & mehr" benötigt werden.

Hinter "MÜ & mehr" verbergen sich: Calcory: ein memoryartiges Spiel (2-4 Spieler ab 7 Jahre); Der letzte Panther: oft ist es besser, keinen Stich zu machen, (3-8 Spieler ab 10 Jahre), Wimmüln: hier ist die Anzahl der eigenen Stiche zu schätzen, (3-6 Spieler ab 8 Jahre), Rummü: ein dem Romme verwandtes Auslegespiel (3-6 Spieler ab 8 Jahre) und Safarü, ein mathematisches Spiel (2-4 Spieler ab 10 Jahre).Günter Cornett

"MÜ & mehr" kostet etwa 19 Mark (plus Porto). Wer es im Fachgeschäft nicht findet, bestellt es am besten direkt bei: Spiele von Doris & Frank, Obere Büch 24, 91054 Buckenhof-Erlangen. +++

© Günter Cornett