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Wer die Glocke schlägt, gewinnt"Zaster" - ein schnelles Kartenspiel mit langer Geschichte
"Zwei! Zwei!" - "Ich tausche drei!" - "Eine! Eine!" Schnell werden die Spielkarten über den Tisch geschoben. Jeder tauscht mit jedem, gleichzeitig, ohne eine Reihenfolge einzuhalten. Es gilt, neun gleiche Karten auf die Hand zu bekommen. Wer dies schafft, beendet den Handel mit einem leichten Schlag auf die Tischglocke und gewinnt den "Zaster". Unter dem Namen "Zaster" wurde das Spiel 1978 von der Firma Parker auf den deutschen Markt gebracht. In den USA war es bereits 1903 bei zwei Verlagen gleichzeitig erschienen (bei Parker unter dem Namen "Pit" und bei der Panic Card Co. als "Panic"). Eine noch ältere Ausgabe ist datiert auf das Jahr 1896. Unter dem Namen "Stock Exchange" verteilte die Firma W. W. Gavitt Medical Company das Spiel zunächst kostenlos, um für ihre medizinischen Produkte zu werben. Das Spiel war so erfolgreich, daß weitere Auflagen produziert wurden. Das Werbemittel war nun selbst zur Ware geworden und wurde später auch ohne Werbeaufdruck verkauft. Wohl zur juristischen Absicherung des eigenen Spiels kaufte Parker dann die Rechte an "Stock Exchange". In den USA und in Westeuropa ist "Pit" bisher bei mehreren Verlagen unter insgesamt zehn verschiedenen Titeln erschienen. Da es nicht mehr neu aufgelegt wird, ist das deutsche "Zaster" nur noch auf dem Flohmarkt zu bekommen. Mit geringem Aufwand kann man es jedoch selbst herstellen. Man benötigt dazu pro Mitspieler einen Satz von neun Karten gleichen Wertes. Der höchste Wert ist immer 100, dann folgen 90, 80, 70, 60, 50 und 40 (bei weniger als sieben Spielern werden die kleineren Werte weggelassen). Außerdem sind noch zwei Sonderkarten im Spiel. "Zaster" läßt sich somit aus drei Skatblättern zusammenstellen. Aufgrund der Kartenwerte ist es aber besser, Pokerkarten (vier bis zehn, ein rotes und ein schwarzes As) zu verwenden. Wenn keine Tischglocke zur Verfügung steht, legt man statt dessen einen Bleistift in die Tischmitte. Wer den Handel beenden will, klopft mit dem Bleistift auf den Tisch. Anschließend kann er sich gleich seine Punkte gutschreiben. Das Spiel: Die Karten werden gut gemischt und an die Spieler verteilt. Die beiden Spieler links vom Geber bekommen jeweils eine Karte mehr. Die Karten dürfen erst aufgenommen werden, wenn sie komplett verteilt sind. Der Geber läßt den Spielern etwa 30 Sekunden Zeit, um die Karten zu sortieren. Dann eröffnet er den Handel. Jeder darf eine, zwei, drei oder vier Karten gleichen Wertes zum Tausch anbieten. Sie werden mit dem Bild nach unten über den Tisch gehalten. Wer ein Angebot annimmt, muß dafür die gleiche Anzahl Karten abgeben. Auch diese müssen untereinander den gleichen Wert aufweisen. Jeder kann jederzeit mit jedem handeln, bis ein Spieler mit neun Karten gleichen Wertes auf der Hand die Glocke betätigt. Je nachdem, welchen Kartenwert dieser Spieler gesammelt hat, erhält er zwischen 40 und 100 Punkte. Da alle anderen Spieler leer ausgehen, ist es nicht immer sinnvoll, die höchsten Werte zu sammeln. Man muß im Laufe des Spieles schauen, welche Karten die anderen Spieler abgeben, und danach seine Taktik ausrichten. Die Sonderkarten: Das schwarze As fungiert als Joker, kann also jede andere Karte ersetzen. Wer zehn Karten auf der Hand hat, kann die doppelte Punktzahl erzielen, wenn er das Spiel mit neun gleichen Karten und dem schwarzen As beendet. Wer nach Ende des Handels das rote As auf der Hand hält, bekommt 20 Minuspunkte angeschrieben. Das rote As kann als Einzelkarte oder zusammen mit anderen Karten getauscht werden. Wer neun gleiche Karten und das rote As auf der Hand hält, darf den Handel erst beenden, wenn er das rote As gegen eine andere Karte eingetauscht hat. Das Spiel endet nach einer vorher vereinbarten Anzahl von Partien oder wenn eine bestimmte Punktzahl erreicht wurde. "Zaster" ist ein lautes und hektisches Spiel. Thematisch ist die Parker-Ausgabe an der Devisenbörse angesiedelt, wobei jede Kartenart eine Währung repräsentiert, die es aufzukaufen gilt. Wie an der richtigen Börse entsteht auch auf dem Spieltisch ein für Außenstehende schwer zu begreifendes Durcheinander, während die Beteiligten zielstrebig und mit Nachdruck ihre Interessen verfolgen. Bei Börsenschluß wird es dann ganz plötzlich ruhig. Nur vereinzelt wird noch gefachsimpelt, wer wem welche Karten vorenthalten hat. Gleich darauf ist dann wieder totale Hektik angesagt. Daß dabei alle Spieler gleichzeitig agieren, macht "Zaster" zum idealen Kartenspiel für größere Gruppen.Günter Cornett Harry E. Gavitt: Zaster, Parker Verlag, für drei bis sieben Spieler. +++
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